B a u k u n s t
Jeder Bau eines Hauses kann als Schöpfungsprozess im Kleinen
betrachtet werden. Dabei verschmelzen, wie in vergleichbaren
Schöpfungsakten der Musik, Malerei oder Dichtung, die technische Ebene,
also das schiere Erstellen der Dinge, mit einem Erklärungsmodell unseres
Daseins.
Von Baukunst kann man erst sprechen, wenn sich der
technische Teil, als die Physis, mit der Bedeutungsebene im
Gleichgewicht befindet. Dies trifft in der Tat nur für einen kleinen
Teil des Bauvolumens zu, das z.B. in unserem Land errichtet wurde und
wird.
Aus beiden Dingen EINES zu machen, ist wohl der
schwierigste Punkt im Entwerfen, der im Regelfall nur wenigen gelingen
mag. Ob das gelingt, lässt sich mit Alberti`s Postulat leicht prüfen:
Wenn nichts hinzugefügt, nichts weggenommen werden kann, sagte er, sei
das Haus perfekt. Darum prüfe ständig, ob das, was gemeinhin als
Architektur bezeichnet wird, ohne Schaden für das Gebäude weggenommen
werden kann, oder umgekehrt, das Bauwerk dem künstlerischen Wollen nicht
Stand hält.
Jórunn Ragnarsdóttir